26. April 2006
Nun hat auch die Koalition begriffen, daß die Umsetzung der geplanten “Reichensteuer” nicht so ganz unproblematisch ist. Es geht insbesondere um die Besteuerung der Unternehmen.
Die SPD hat sich da einen recht pragmatischen Ansatz gefunden. “Wenn es mit einer Privilegierung der gewerblichen Einkünfte nicht geht, dann eben ohne.” Dies sagte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß der “Financial Times Deutschland”, es sei “gar keine Frage”, dass die SPD an der “Reichensteuer” festhalte.
Unions-Fraktionsvize Michael Meister sagte der Zeitung, daß die CDU mit Sicherheit keiner zusätzlichen Belastung der gewerblichen Einkünfte zustimmen wird. Meister schlägt zwei Optionen vor, um das Problem zu lösen:
- Verschiebung der Einführung der gesamten Reichensteuer auf 2008. Dann soll ohnehin die große Unternehmensteuerreform greifen, die dann auch die gewerblichen Einkünfte von Personenunternehmern erfassen würde.
- Umsetzung der Änderung 2007, dann aber alle Gewinneinkünfte privilegieren - sowohl unternehmerische als auch Kapitaleinkünfte.
Das wäre nach Meisters Einschätzung verfassungsfester als die bisher geplante Unterscheidung zwischen gewerblichen Einkünften und anderen Einkommensarten.
Da sehe ich nur ein kleines Problem. Kapitaleinkünfte gehören meines Wissens nach nicht nicht zu den Gewinn-, sondern zu den Überschusseinkünften (§ 20 EStG).
Aber irgendwas ist ja immer.
Kategorie Steuerpolitik | 0 Kommentar »
25. April 2006
Zum 1. Januar 2007 soll nun also die sogenannte Reichensteuer kommen. Danach müssen Spitzenverdiener mit einem Jahreseinkommen von 250.000 € zukünftig eine Einkommenssteuer von 45%, statt wie bisher 42%, entrichten. Für Verheiratete gilt entsprechend eine Grenze von 500.000 €.
Laut Koalitionsvertrag sollen aber gewerbliche Einkünfte und Mittelständler, die ebenfalls der Einkommensteuer unterliegen, davon ausgenommen werden. Unter Umständen könnte aber genau dies mit dem Gleichheitssatz des Artikels 3 Absatz 1 des Grundgesetzes unvereinbar sein. Eine entsprechende Ausnahmeregelung könnte mit Rechtsmitteln angegriffen werden. Man darf gespannt sein, wie die Verfassungsprobleme gelöst werden.
(via Süddeutsche)
Kategorie Steuerpolitik | 0 Kommentar »
18. April 2006
Unternehmen zahlen in Deutschland effektiv die zweithöchsten Steuern innerhalb der Europäischen Union.
Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat herausgefunden, dass Gewinne von Kapitalgesellschaften in der Bundesrepublik im Jahr 2005 effektiv mit 36,0 Prozent belastet wurden. Nur in Spanien habe diese - virtuelle - Steuerquote mit 36,1 Prozent noch etwas höher gelegen. Der Durchschnittswert der anderen EU-Staaten liegt dagegen nur bei 23,7 Prozent. (via Handelsblatt)
Wie, nur Platz 2 in der Europäischen Union. Da müssen unsere Politiker aber sofort nachlegen. Glücklicherweise diskutieren sie das schon.
Kategorie Steuerpolitik | 0 Kommentar »
18. April 2006
Der nebenberufliche Kaffeeröster Tchibo wird im Rahmen einer Sonderaktion Flüge zu insgesamt 21 europäischen Städte anbieten. Auf der Tchibo-Internetseite werden die Direktflüge mit Preisen ab 79 Euro für Hin- und Rückflug inklusive Steuern und Gebühren angeboten. Damit unterbietet die Lufthansa sich selber, die normalen Einstiegspreise im Rahmen des Lufthansa Angebotes “Better Fly” liegen bei 99 Euro.
Im vergangenen Jahr hatte Air Berlin ein ähnliches Angebot über die Lebensmittel-Kette Penny gestartet, die Deutsche Bahn verkaufte rund eine Million Fahrkarten-Heftchen beim Discounter Lidl.
Allerdings scheint die Idee mit dem zweiten Vertriebskanals über Discounter nicht beliebig durchführbar zu sein. Jüngst wurde die Ticket-Aktion der Deutschen Bahn vom Kooperationspartner McDonald’s wegen zu geringer Nachfrage gestoppt. In den rund eintausend Filialen der Schnellrestaurant-Kette waren insgesamt vier Millionen Fahrschein-Hefte für 99 Euro angeboten worden, von denen innerhalb von zwei Wochen jedoch nur eine Million verkauft wurden.
Ich höre schon die Verkäufer bei Tchibo “Möchten Sie vielleicht auch Kaffee?” “Nein danke, den bekomme ich im Flugzeug”
Kategorie Business, Marketing | 5 Kommentare »
13. April 2006
Die Zahlungsmoral bei einigen unserer Kunden ist, sagen wir mal, nur periphär ausgeprägt. Wie kommen die bloss immer auf den Gedanken, dass Zahlungsziele relative Größen sind. Was ist an “14 Tagen nach Rechnungserhalt” nicht verständlich. 14 Tage, nicht Wochen.
Eine Regel läßt sich ableiten, sozusagen die erste Zahlungsmoral Ableitung. Je größer ein Unternehmen ist, desto später die Zahlung. Mir war bisher gar nicht bekannt, dass wir soviel multinationale Konzerne in Hamburg haben. Der Highlight war eine Zahlung, die schlappe 5 Monate auf sich warten ließ und wir reden hier von kleinen Beträgen. Das Unternehmen muss sich für einen Mega-Multi halten.
Hat eigentlich schon einmal jemand herausgefunden, wieviel Arbeitsplätze in Deutschland im Schnitt wegen der schlechten Zahlungsmoral verloren gehen? Das wäre doch einmal eine Aufgabe für ein paar Wissenschaftler.
Sollte die Zahlungsmoral das Ergebnis eines suboptimalen Workflows sein, da kann man Abhilfe schaffen.
Kategorie Business | 0 Kommentar »